Mein erstes Murmele

Am 28.September 2013

 

Im April 2013 machte ich meinen Jagdschein, nicht um zu jagen, sondern um mehr über unsere heimische Fauna und Flora zu lernen.

Wie unsere Wildtiere leben, sich ernähren, fortpflanzen und welche Lebensstrategien sie entwickelt haben um zu überleben.

 

Im Herbst meinte Bruno dann: „Frau Jungjägerin, wir gehen auf dein erstes Murmele!“. Bis vor Kurzem war ich mir ja nicht sicher, ob ich je ein Tier erlegen könnte oder gar wollte.

 

Ganz früh am Morgen machten wir uns in Begleitung unserer zwei vierbeinigen Jagdkameraden Zirbl und Raja, einer ordentlichen Jause im Rucksack auf den Weg Richtung Rietzer Grießkogel. Nicht wie alle Wanderer bequem auf dem Steig, sondern quer bergauf! Ich schwitzend und keuchend, über die schon herbstlich verfärbten Hänge. Steil, steiler am steilsten, schien's mir und meinen Knien. Nach 3 Stunden, mit einigen Pausen zum Gucken und Rasten, wurden wir, Bruno und ich in einer Senke eines kapitalen, alten Murmeltiers ansichtig. Mir schlug das Herz bis zum Hals. Jetzt ist's soweit! Auf dem Bauch robbend, mit Zirbl und Raja hinter uns, näherten wir uns langsam bei gutem Wind dem Tier. Es saß neben seinem Bau und lugte aufmerksam rundum. Unsere Hunde waren vorbildlich, ruhig und in Deckung bleibend. Für mich war das erstaunlich, wie sie wissen wie sie sich zu verhalten haben. Zirbl ist ja schon ein „alter Hase“ auf der Jagd, aber für Raja ist das alles neu und trotzdem lies sie keinen Muks hören.

 

Mein Pirschführer Bruno, gab mir Anweisungen. Ich richtete die Büchse (222er) auf dem Rucksack und bemühte mich das Murmele durch das Zielfernrohr zu sehen. Bruno: „Tua nit uma!“ Noch nicht ganz ausgesprochen machte es schon BUM! und mein erstes Murmele, ein alter Bär, war von mir auf ca. 100 Meter mit einem Blattschuss erlegt.

 

Meine Vorstellung, wie ich darauf reagieren werde, war, dass ich euphorisch sei, stolz oder aufgeregt. Das traf nicht ein, eher ein ruhiges Gefühl nahm Besitz von mir.

 

Nach einem kräftigen Waidmannsheil und einen Schluck Schnaps zur Respektsbezeugung gegenüber dem Tier, jausneten wir vier ausgiebig und legten uns dann in die Sonne, genossen den schönen Herbsttag bevor wir uns auf den Weg ins Tal machten.

 

Wir genossen das Wildbret, von Bruno zubereitet und mit dem Murmelefett reibe ich mir die Knie immer wieder ein. Der Schwarte wartet in der Kühltruhe darauf noch präpariert zu werden.

 

Geschrieben von Gertraud